Mit rotem Stift vorgerechnet
Lieber scharf rechnen als blauäugig in den finanziellen Ruin: Der Oberbürgermeister plant ein Schwimmbad ohne die Kosten sauber zu berechnen.

Für eine moderne Bäderlandschaft in Bonn

Als Sie vor einem Jahr über die Zukunft des Kurfürstenbades abstimmten, hat die Stadtverwaltung noch behauptet, ein neues Zentralbad sei wesentlich billiger als die Sanierung von Kurfürsten- und Frankenbad zusammen.

Inzwischen steht fest: Der Neubau ist fast doppelt so teuer (mindestens) – und kostet uns mindestens zwei gut erreichbare Hallenbäder in den Stadtbezirken. Beim Bürgerentscheid entscheiden Sie nun über die Zukunft der Bonner Bäderlandschaft.

 

Wollen Sie eine moderne Bäderlandschaft mit Hallenbädern in allen vier Stadtbezirken? Dann stimmen Sie beim Bürgerentscheid mit Ja und verhindern Sie den Bau eines überteuerten Zentralbades!

Die Kosten sind geschönt

Der Neubau soll mindestens 60 Millionen Euro kosten. In dieser Schätzung sind aber gar nicht alle Kosten enthalten: Es fehlt zum Beispiel der notwendige Bau eines Blockheizkraftwerks. Auch die Kosten für eine neue Nutzung des Frankenbades, das unter Denkmalschutz steht, sind nicht enthalten.
Eventuelle Schwierigkeiten mit dem Baugrund sind ebenfalls nicht kalkuliert. Und Preissteigerungen sind allemal zu erwarten. Kurz: Bonn droht eine Kostenexplosion. Es würde uns nicht überraschen, wenn der Bau die 100 Millionen Euro Marke sprengte.

Der Untergrund ist gefährlich

Der Boden wurde zwar untersucht, aber wie wir von der Beethovenhalle wissen, hält ein solcher Untergrund beim Bau viele unliebsamen Überraschungen bereit. Unklar ist, ob der Untergrund den Neubau überhaupt trägt. Denn direkt neben dem Baugelände liegt eine ehemalige Mülldeponie. Ist der Untergrund dort nicht stabil, kann das neue Bad seitlich „wegkippen“. Weder eine genauere Untersuchung des Bodens noch eine eventuelle Stabilisierung des Bodens sind in der Kostenkalkulation enthalten. Das Umschwenken von 50-Meter- auf 25-Meter-Bahnen ist nach der Einschätzung von Fachleuten schon diesem Bedenken geschuldet sind. Was das für die Baukosten bedeutet, lässt sich an der Beethovenhalle sehen. 

Auch die Betriebskosten sind geschönt

Um die erhofften Einnahmen des Bades zu erwirtschaften, müssen doppelt so viele Menschen das Bad besuchen wie bisher in Kurfürstenbad und Frankenbad zusammen. Mit 410.000 Besucherinnen und Besuchern für das Zentralbad rechnet die Stadt. Kurfürstenbad und Frankenbad hatten zusammen gerade einmal 174.094 Nutzer. Die Lücke lässt sich nur schließen, wenn in großem Umfang Besucher von außen kommen. Oder eben, wenn man die Besucher der Beueler Bütt einrechnet.

Zentralbad teurer als zwei Bäder zusammen

Selbst wenn wirklich 410.000 Besucher das neue Zentralbad besuchen würden, machte das Zentralbad noch ein Minus von mindestens knapp 3 Millionen Euro jährlich. Zum Vergleich: Kurfürsten- und Frankenbad hatten 2015 zusammen nur einen Verlust von unter 1,7 Millionen Euro.

Die Betriebskosten des Zentralbads sind um so viel höher als die der bisherigen Bäder, dass nicht einmal die geschönten Besucherprognosen die Zusatzkosten aufwiegen können.

Das Konzept des Zentralbads ist unausgegoren

Die schlechte Rentabilität des Zentralbads hängt damit zusammen, dass das Konzept für das Zentralbad nicht durchdacht ist. Der General-Anzeiger hat aufgedeckt, dass zum Personalbestand der Stadt für die Freibäder noch zusätzliches Personal der Stadtwerke Bonn für das Zentralbad benötigt wird. Bisher konnten die Mitarbeiter zwischen Hallen- und Freibädern wechseln. Im Zentralbad müssen alle Becken in der Halle auch im Sommer auf haben – und beaufsichtigt werden. Es entstehen erhöhte Personalkosten.

Die Pläne sind betriebswirtschaftlicher Unsinn

Darüber hinaus ist die Größe des Zentralbads – gemessen in Wasserfläche und Bahnen – dem Umstand geschuldet, dass optimale Voraussetzungen für Sportvereine geschaffen werden sollten. Die Eintritte von Sportlern machen allerdings nur einen kleinen Teil der Einnahmen eines Bades aus. Den hohen Kosten, die durch die große Wasserfläche verursacht werden, stehen keine adäquaten Einnahmen gegenüber. Hier wäre eine klarere Fokussierung des Bades hilfreich gewesen, um ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept zu erreichen.

Was hat das Zentralbad mit den Straßenbahnen und den Stromkosten zu tun?

Das Zentralbad soll von den Stadtwerken betrieben werden. Eigentlich eine gute Idee. Da die erwarteten Einnahmen aber deutlich zu hoch geschätzt werden, tragen die Stadtwerke auch spätere Verluste. Und das heißt: Den Stadtwerken fehlt Geld. Sie können also entweder weniger neue Straßenbahnen kaufen – oder müssen über höhere Stromgebühren mehr Geld einnehmen oder sie können weniger Gewinn an die Stadtkasse überweisen, so dass die Stadt an anderer Stelle sparen muss. Das Ergebnis ist das gleiche: Die Bonnerinnen und Bonner bezahlen den Größenwahn des Oberbürgermeisters.

Der Eintritt ist überteuert

Schwimmen wird teuer. Die Eintrittspreise für Familien verdoppeln sich im Zentralbad am Wochenende, der Einzeleintritt kostet fast drei Mal so viel wie bisher. Und wer nicht unmittelbar in der Nähe wohnt, muss nun auch noch Fahrtkosten zahlen, weil das Bad in der Nähe geschlossen wird. Und das nur für ein Prestigeobjekt des Oberbürgermeisters.

Das Schulschwimmen ist in Gefahr

Durch die Schließung von Kurfürstenbad, Beueler Bütt und einigen Schulschwimmbädern fällt jetzt bereits ein Viertel des gesamten Schulschwimmens in Bonn aus. Das Zentralbad kann den Ausfall der Becken in Frankenbad und Kurfürstenbad nicht kompensieren, weil dort beim Schulschwimmen gar nicht alle Bahnen genutzt werden können. Andere Bäder haben nicht genug freie Kapazitäten. Bei mindestens doppelt so langen Fahrtzeiten, zum Beispiel aus Bad Godesberg oder dem Bonner Norden, macht der Schwimmunterricht für viele Schulen keinen Sinn mehr.

Warum ist Schulschwimmen so wichtig?

Ertrinken ist eine der häufigsten Todesursachen bei Kindern. Durch die Schließung vieler Bäder kann nach Auskunft der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft DLRG schon jetzt die Hälfte aller Grundschulkinder am Ende der vierten Klasse nicht schwimmen. Zahlen aus Hamburg zeigen: es trifft vor allem die Kinder aus finanziell schlechter gestellten Haushalten. Deswegen ist Schulschwimmen ein verpflichtender Teil des Curriculums im Sportunterricht. Die Stadt Bonn verhindert, dass die Schulen den vorgeschrieben Unterricht abhalten können.

Zentral heißt schlechter erreichbar

Das neue Bad soll in Dottendorf gebaut werden, für die Bürgerinnen und Bürger im Bonner Norden und Süden verdoppeln sich die Anfahrts- und Abfahrtswege. Schulkinder, ältere Menschen und Menschen, die nicht mobil sind, haben dann keine Chance mehr, ein Schwimmbad zu besuchen. Eine Tabelle der neuen Fahrzeiten zum Zentralbad findet sich hier.

Für 60+X Millionen geht viel mehr

Mit den 60+X Millionen Euro, die mittlerweile geschätzt werden, lassen sich Frankenbad und Kurfürstenbad als hochwertige Bäder neugestalten, die dann allen Ansprüchen an zeitgemäße und attraktive Badeeinrichtungen genügen. Dabei werden die Sport- und Wettkampffunktionen des Zentralbads vom sanierten und aufgewerteten Frankenbad übernommen (das ohnehin schon als Wettkampfbad konzipiert ist), die Wellness- und Freizeitattraktionen von einem neu gebauten Kurfürstenbad. Dadurch kann der Baukörper des neuen Kurfürstenbads deutlich kleiner ausfallen, wodurch Geld für die Sanierung des vorhandenen Frankenbads frei wird.

Ein Neubau in Bad Godesberg ist sinnvoller

Ein neues Kurfürstenbad in Bad Godesberg kann deutlich attraktivere Angebote machen als das Zentralbad – und damit auch mehr Besucher anziehen. Einerseits knüpft ein solches Bad an die alte Kur- und Bädertradition Bad Godesbergs an. Andererseits ist die Lage hinter der kurfürstlichen Zeile inmitten eines Parks landschaftlich viel reizvoller als die Lage zwischen Rheinschiene und Heizkraftwerk. Die Hanglage erlaubt Saunen mit fantastischem Panoramablick aufs Siebengebirge.

Die Sanierung des Frankenbades ist günstig

Beim Frankenbad sind die Sanierungskosten – realistisch gerechnet – ohnehin vergleichsweise gering, da ein großer Teil der geschätzten Kosten für die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes in jedem Fall anfällt – auch bei jeder anderen Nutzung. Ohnehin ist das Frankenbad das meistgenutzte Bad Bonns. Es ist unverständlich, ein gut besuchtes Bad einfach aufzugeben.

Schluss mit dem Stillstand

Seit 2009 geht es mit den Bädern in Bonn nicht voran. CDU und Grüne haben ihre Wahlversprechen, die bestehenden Schwimmbäder zu sanieren, gebrochen. In der Zwischenzeit haben etliche Schulbäder, das Kurfürstenbad, die Beueler Bütt, zeitweise sogar das Hardtbergbad und einige Freibäder die Grätsche gemacht, weil CDU, Grüne und FDP die Gebäude verfallen ließen. 

Wir setzen uns dafür ein, dass mit der Sanierung von Hardtbergbad und Beueler Bütt sofort begonnen wird. Die Mittel für das Hardtbergbad sind im Haushalt schon eingestellt, sie müssen jetzt verbaut werden.

Es gibt keine 14 Bäder für die Bonner*innen

Die Stadt Bonn behauptet in ihren Werbeunterlagen, Bonn hätte 14 Bäder. Wenn diese Art der bewussten Fehlinformation nicht so traurig wäre, müsste man darüber lachen. In Wahrheit hat Bonn 3 Hallenbäder, 6 Freibäder und 1 Vereinsbad, das nur für Mitglieder ist, sowie einige Schulschwimmbäder, die derzeit aber fast alle außer Betrieb sind (4 von 5). Das heißt: Für alle Bonner*innen sind von September bis Mai NOCH 3 Bäder und von Juni bis August 4 Bäder geöffnet. Das Vereinsbad im Sportpark Nord deckt einen Teil des Schul- und Vereinsschwimmens ab. Das war es!

Wir lassen uns nicht verschaukeln

Dass der Oberbürgermeister bei den Kosten gerne mogelt, hat auch das Verwaltungsgericht Köln festgestellt. Der OB rechnet die Kosten für den Neubau schön und schummelt die Sanierungskosten für Franken- und Kurfürstenbad nach oben. „Unzutreffend“ nennt das das Gericht. Neu ist jedoch, dass er auch lügt. Gegenüber dem Stadtrat sagte Oberbürgermeister Sridharan, dass die Stadt sich bei diesem Bürgerentscheid neutral verhalte und keine Werbung für das Zentralbad machen werde. Doch das Gegenteil ist passiert. Das lassen wir uns nicht mehr gefallen.

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